Mercé Rodoreda – Der Garden über dem Meer

Rückseitentext:
„Ein großer kleiner Roman, der die melancholische Schönheit einer versunkenen Zeit behutsam bewahrt.“ (Sigrid Löffler, Deutschlandradio Kultur)

Rosamaria und Francesc verbringen jeden Sommer in ihrem Haus über dem Meer, das sie sich kurz nach ihrer Hochzeit gekauft haben. Jedes Jahr bringen sie alte und neue Freunde mit, feiern Parties, schwimmen, reiten, langweilen sich, streiten sich und tuen als wenn nichts wäre. Rosamaria wird schwanger, verliert ihr Kind, ihr Mann Francesc fällt auf die schönen Blicke einer Angestellten rein, betrügt seine Frau und irgendwann wird auf dem Nachbargrundstück ein neues Anwesen und ein Garten gebaut. Größer und Besser, von einem aufgeplusterten Senyor Bellom, der eigentlich nervt, aber dem es mit einer subtilen aufdringlichen Art doch gelingt, sich bei seinen Nachbarn einzuschleimen… Als dieser dann noch seine Tochter und seinen Schwiegersohn nachholt sind die Zutaten für das Drama komplett. Denn der Schwiegersohn Eugeni ist Senyoreta Rosamarias Jugendliebe, den sie hat sitzen lassen, weil er mittellos war.

Die Idee, dass die Geschichte durch den Blick des Gärtners erzählt wird, hatte mich sehr neugierig gemacht. Aber mehr als einen Blick aus der Ferne bekommt man so auch nicht. Und selbst der Gärtner bekommt einen Teil seiner Informationen nur durch die neugierigen Hausbediensteten. Viel ist also Hören-Sagen und so bleibt alles ein bisschen verwaschen.Kann sein, dass es Leserinnen gibt, die diese nebeligen Lücken und rätselhaften Freiräume mögen, mir ist es in diesem Buch einfach zu viel. Einmal trifft er auf Eugenis Eltern und so erfährt man wenigstens, was damals vorgefallen war.

Manchmal wird der Gärtner auch von seinen Arbeitgebern und deren Freunde und Nachbarn angesprochen. Dann wird er ausgefragt, soll Streiche mitspielen, sich die Probleme der Reichen anhören, oder diese besser noch löse. Auch persönliche Anliegen, die den anderen lästig sind, soll er erledigen… meistens hört er nur zu und wenn er etwas sagt, dann nur gerade so viel, dass es keinen Ärger gibt. Ich glaube, der Gärtner soll altersweise rüberkommen aber ich finde ihn oft ein wenig lahm, als ob er alles nur macht, um schnell wieder seine Ruhe zu haben. Ich hätte mir mal ein lautes Wort gewünscht, aber er ist eben ein ruhiger Typ, der darauf wartet, dass die anderen selbst begreifen… Seine Sympathien und Fürsorge für bestimmte Personen nehme ich ihn aber trotzdem ab, er ist nicht komplett desinteressiert an seiner Umwelt, er sucht sich nur genau aus, an was oder wem er Interesse zeigt.

Die Geschichte spielt in den 1920er Jahren, was man auch merkt… Wilde Tiere im Wintergarten? Damals topp, heute zu Recht ein No-go.Gefallen an dem Buch hat mir der feine Schreibstil und die katalanische Kulisse… ich kann mir die Häuschen, die Gärten mit den Blumen und das Meer und auch einige Unterhaltungen gut vorstellen. Es ist eine schöne Lektüre für den Balkon oder den eigenen Garten.

Details:
Diese Ausgabe erschien 2016 im Berlin Verlag, Piper Verlag GmbH, herausgegeben und mit einem Nachwort von Roger Willemsen
Übersetzt von Kirsten Brandt 240 Seiten
ISBN 978-3-8333-1054-6Cover-Download: piper.de

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