Martha Wells – Tagebuch eines Killerbots

Ein ironischer Roboter der gerne Serien glotzt… was will man mehr?
Killerbot ist eine SecurityUnit, die ihr Chefmodul gehackt hat. Statt stumpf Befehle zu befolgen, befolgt sie diese zwar immer noch (freiwillig, um nicht aufzufallen), kann aber nebenbei Unterhaltungsmedien konsumieren und sich über alles mögliche Gedanken machen. Zum Beispiel darüber, wie peinlich Blickkontakt mit Menschen ist und darüber, dass man sie ständig davon abhalten muss in den eigenen Tod zu rennen. Killerbot kennt außerdem jede Menge nützliche Wörter zum Fluchen. 


Dieses Roboter-Mensch-Konstrukt ist so amüsant und hinreißend, dass die eigentliche Story manchmal in den Hintergrund rückt, obwohl diese sehr komplex ist und Aufmerksamkeit erfordert. Aber trotzdem…


Handlung:
Während eines eher leichten Einsatzes auf einem Planeten kommt es zu unerwarteten Zwischenfällen. Die kleine Forschungsgruppe, auf die Killerbot aufpassen soll, wird von einem „Riesenviech“ angegriffen, es fehlen Teile auf der Landkarte, der Kontakt zum zweiten Team bricht ab und und und… ohne Killerbot würde die Mission in einer Katastrophe enden und natürlich kommt dabei raus, dass sie eigene Entscheidungen trifft (und zwar die richtigen!).


Aus Dankbarkeit kauft die Einsatzleiterin Mensah Killerbot frei und wird damit zu ihrem Vormund. Doch die SecUnit hat keinen Bock auf einen Vormund und auf irgendeinen Planeten und andere Menschen und haut einfach ab… am liebsten würde sie nur Serien gucken (Serien sind irrerweise auch ein willkommenes Tauschelement für Gefälligkeiten unter Bots), aber die Pläne werden dann schon noch etwas konkreter und zu einer echten Mission.

Erst mal will sie herausfinden, was vor ihrem Hack passiert ist, denn auf ihrer Arbeitsbilanz stehen ziemlich viele Todesopfer, aber Erinnerungen dazu fehlen ihr… danach kümmert sie sich um die Reputation und Rettung von Mensah und ihrem Team, das inzwischen in noch mehr Schwierigkeiten geraten ist. Ihr Weg führt Killerbot durch verschiedenen Zwischenstationen, gefährlichen Hindernisse und Gegnern, aber sie trifft auch immer wieder gute Menschen, die respektvoll mit ihr umgehen.


Das Wechselspiel zwischen den actionreichen, echt coolen Kampfszenen und dem inneren Kampf mit ihren Emotionen und ihrem Selbstvertrauen macht die SecUnit unschlagbar liebenswert und menschlich… und dann der ungefilterte ironische Humor, der die ganze Geschichte durchzieht, aber nie bösartig oder vulgär wird… all das hat mich in die Geschichte hineingezogen und eine Verbindung aufgebaut, denn wer hadert nicht von Zeit zu Zeit mit seinen Gefühlen? Außerdem wurde mir erst ab etwa der Mitte des Buches bewusst, dass die Mehrheit der Figuren weiblich sind. Das hat die Autorin ganz geschickt gemacht, indem sie neutrale Namen oder Nachnamen benutzt und auf die Beschreibungen von Äußerlichkeiten verzichtet.
Nur die Übersetzung ist manchmal etwas unkreativ? mit vielen Wortwiederholungen, aber da weiß ich nun nicht, ob es auch im Original so ist.
Inhaltlich gibts von mir aber die volle Punktzahl (wenn ich Punkte vergeben würde).


Den zweiten Killerbot-Band „Der Netzwerkeffekt“ habe ich schon hier und die Beschreibung lässt mich jetzt schon schmunzeln. Statt gemütlich Serien bingen, muss Killerbot wieder jede Menge Leute retten…

Details:
Erschienen im Heyne Verlag Oktober 2019
Originaltitel: The Murderbot Diaries (All Systems Red, Artificial Condition, Rogue Protocol, Exit Strategy)
Übersetzt von Frank Böhmert
ISBN: 978-3-453-32034-5
Coverdownload: penguinrandomhouse.de

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