Nika S. Daveron – Allein durch die Sterne

»Meine Fotos wurden kurioser. Selfies im leeren Supermarkt. Ein „Hilfe“ aus Dosenravioli gebaut. Da war niemand. Niemand sah meine Bilder, egal wie viel Hashtags ich versuchte. Ich betitelte sie alle mit #iamunstoppable.« 

Was Würdest du tun, wenn du der letzte Mensch der Welt wärst?

Ariadne lebt in den Tag hinein. Sie macht alles, was ihrem Vater missfallen könnte. Aber was sie selbst wirklich will, in welche Richtung sie gehen will, dass hat sie noch nicht herausgefunden.
Eines schönen Tages als sie sich mit ihrer besten Freundin zum Sport trifft, passiert etwas unmögliches… Ariadne geht durch die Tür, die die Umkleide von der Sporthalle trennt und ist plötzlich alleine. Erst denkt sie, ihre Freundinnen spielen ihr einen Streich. Doch als sie das Gebäude verlässt und alle Autos kreuz und quer verlassen auf der Straße stehen, wird ihr klar: Alle Menschen sind weg. Wie mit einem Fingerschnippen, einfach so. Keiner ihrer Freunde geht noch ans Telefon, im Internet gibt es keine neuen Posts oder Nachrichten.

Nach einer kurzen Phase von Panik und etwas Traurigkeit fängt Ariadne an ihre neue Freiheit zu genießen, denn das war es doch, was sie immer wollte: Freiheit und Unabhängigkeit. Läden werden geplündert, nackt und besoffen auf der Straße getanzt und sie rettet den Dackel aus der Nachbarwohnung.
Irgendwann ist der Spaß aber vorbei. In den Geschäften gammeln die Lebensmittel weg und wilde Hunde machen sich auf den Straßen breit. Und dann kommt auch die Einsamkeit. Alles was Ariadne anstellt, postet sie auch im Internet (außer die Nacktfotos natürlich) und dann bekommt sie aus den Nichts plötzlich eine Nachricht von einem Typ namens Sanghyun der in Shanghai lebt. Zwischen ihr in Lille (Frankreich) und ihm liegen über 9000 Kilometer…ein langer weg, aber die beiden entscheiden, sich in der Mitte in Jekaterinburg zu treffen.

Zum Glück geht in den meisten Gebieten auch noch Strom und Internet (was natürlich nach und nach zusammenbricht) und so können sie auch mit Google Maps navigieren… Ariadne erlebt einige schöne Dinge, aber auch viele Rückschläge und als sie endlich in der russischen Stadt ankommt ist sie total fertig, verletzt und desillusioniert. Wie soll man sich in einer fremden Großstadt treffen, wenn man keinen richtigen Treffpunkt ausgemacht hat?
Das Buch ist komplett in der Ich-Form aus Ariadnes Sicht geschrieben. Was Sanghyun auf seiner Reise erlebt, erfährt man also nur, wenn die beiden miteinander skypen oder telefonieren, sicherlich hat er es aber auch nicht einfach.

Zur Figurenentwicklung: Also meine Gefühle für Ariadne sind beim Lesen hin und her gesprungen. Sie ist Anfang 20 und hat keinen Plan. Das ist ok. Sie ist eine Partymaus (sagt sie von sich selbst). Da ist auch ok. Aber sie redet manchmal, als hätte sie die romantischen Lebenserfahrungen einer 35jährigen. Und Aussagen wie „Badboys hab ich mit 15 hinter mir gelassen“… also ich weiß nicht. Was soll das jungen Leserinnen suggerieren? Außerdem nehme ich ihr ihre Trauer nicht ab. Sie ist mutterseelenallein, alle ihre Freundinnen und ihre geliebte Schwester sind weg und sie durchlebt nie einen richtigen Zusammenbruch.
Aber ok. Das Buch ist kein literarisches Meisterwerk und leider fehlen auch oft die Zusammenhänge. Was genau ist da eigentlich passiert? Aber es ist unterhaltsam und das Ende ist superkitschig, aber auch schön.

Gefunden habe ich das Buch in der Science Fiction Abteilung und es hat sich sicherlich irgendwie dahin verlaufen. Ich würde es einfach als Jugendbuch bezeichnen. Oder als Liebesgeschichte für junge Frauen, die vielleicht auch noch nicht ganz wissen, was sie machen wollen. Und weil ich mich genau da ertappt gefühlt habe, ist mir Ariadne dann doch ganz sympathisch gewesen… und weil sie ein Herz für Tiere hat.

Details:
Erschienen im Piper Verlag am 1. Juli 2021
272 Seiten
ISBN: 978-3-492-50463-8
Coverdownload: piper.de

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