The King of Staten Island

Winter ist irgendwie nicht meine Lesezeit, ich lese nicht gerne im Dunkeln, also ist da immer eine unfreiwillige Pause… stattdessen ist die kalte Jahreszeit meine Serien und Film Saison, schön eingekuschelt unter einer warmen Sofadecke mit meinen zwei Katzen.
Also gibt es hier mal etwas anderes: Eine Rezension zu einer kleinen Indiefilmperle mit dem unglaublichen Pete Davidson.

Im Film wohnt der 24-jährige Scott immer noch bei seiner Mom im Haus und hängt eigentlich nur ab. Das sein Dad bei einen Feuerwehreinsatz starb belastet ihn so stark, dass er an Depression leidet und in seinem Leben stagniert. Sein einziger Traum ist es Tätowieren zu werden und ein Tattoo-Restaurant aufzumachen. Weil er aber noch jede Menge üben muss, halten seine Freunde tapfer ihre Haut hin… eines nachmittags kommt er sogar auf die Idee einen 9-jährigen Jungen zu tätowieren, der total gerne ein Bild vom Punisher auf dem Oberarm haben möchte… doch beim ersten Pieks rennt der Junge schreiend weg und kurz darauf klingelt dessen Dad Ray bei Scotts Mom Margie Sturm.

Ray und Margie fangen an sich heimlich zu Daten und entwickeln eine ernsthafte Beziehung. Doch als Scott davon erfährt, kommt es natürlich zu einem riesigen Krach… denn das schlimme daran ist, das Ray Feuerwehrmann ist und er das Gefühl hat, sein Vater wird ersetzt. Scott hat null Bock darauf, diesen Typ näher kennenzulernen…. die beiden werden einfach keine Freunde und nach einer Prügelei wirft Scotts Mom ihn und Ray aus dem Haus.

Scott kann keinen Unterschlupf bei seinen Freunden finden und landet somit auf der Feuerwache. Ray ist gar nicht begeistert, aber die anderen Kameraden geben Scott eine Chance wenn er sich an den täglich anfallenden Aufgaben in der Wache beteiligt, also Klo putzen, Feuerwehrauto putzen und sowas… als sich alle näher kommen, erfährt Scott auch endlich mehr über seinen Vater und wie er als Kumpel und als Feuerwehrmann war. Das alles hilft ihm sein Leben zu sortieren und ein paar Dinge in seinem Leben gerate zu biegen. Es bleibt ein kleines offenes Ende. Auch wenn Scott noch nicht weiß, wie es im Detail weitergeht, wirkt er bereit für die Dinge, die auf ihn warten.

Die Story ist fiktiv, aber die Gefühle sind echt, denn der Film ist ganz nah an Pete Davidsons echtem Leben angelehnt. Als er 7 Jahre alt war, starb sein Vater in einem der Twin Towers am 11. September 2001. Ich kam damals gerade aus der Berufsschule als die Liveberichte dazu im Fernsehen liefen. Ich werde nie verstehen können, das einige Menschen diesen Anschlag als eine Verschwörung der eigenen Regierung abtun… Und ich kann mir höchstens nur ansatzweise vorstellen, welch enormer Druck die jahrelange Berichtserstattung für einen Jungen sein muss, der sich vorstellt, dass sein Vater lebendig verbrannt ist, während er anderen das Leben retten wollte.

Pete entschied sich, seine Probleme mit Comedy zu verarbeiten. Macht Stand-up-Comedy und ist seit 2014 bei Saturday Night Live zu sehen, wo er in so ziemlich jedem Sketch aus seiner Rolle fällt, in dem er einfach anfängt selbst zu lachen, was ihn für mich nur noch lustiger und sympathischer macht. In einem Interview mit der Variety 2018 sagte er dazu: „You hired me. It’s not my fault. I never said that I could do this.” (Pete Davidson Reveals the SNL Skit That Made Him Break)
Mit The King of Staten Island konnte Pete sein Trauma etwas aufarbeiten. Aber jeder der mit Depressionen zu kämpfen hat, weiß auch, dass sowas nie ganz weggeht.

Außerdem im Film sind:

  • Marisa Tomei als seine Mom Margie
  • Bill Burr als Ray
  • Maude Apatow als seine Schwester Claire
  • Bel Powley als Scotts On/Off Freundin Kelsey
  • Steve Buscemi als Papa der Feuerwehrwache. Buscemi arbeitete übrigens in den 1980ern als Feuerwehrmann in New York und half 2001 Überlebende aus den Trümmern zu befreien. Hatte ich vorher nicht gewusst.
  • Und es sind jede Menge Freunde von Pete Davidson am Film beteiligt, was den ganzen Film so natürlich wirken lässt… sogar sein Opa hat einen Gastauftritt.

Regie führte Judd Apatow (Bekannt durch: Dating Queen und Jungfrau (40), männlich, sucht…).
Das Drehbuch wurde geschrieben von Judd Apatow, Pete Davidson und Ricky Velos.
Der Film erschien am 12. Juni 2020 als Video-on-Demand, nachdem die Premiere-Vorführungen wegen Covid19 mehrmals verschoben wurden. Ich hab mir die Blu-ray gekauft, die war sogar günstiger, als den Film bei Amazon Prime zu kaufen. Außerdem gibt es viele lustige und informative Extras.

Diesen Film muss man sehen, weil er komisch und traurig und herzerwärmend ist. Schon die Anfangsszene ist gut gewählt um Scotts Zustand zu verstehen und es gibt viele kleine zwischenmenschliche Details, die den Film mit Liebe füllen. 4,5 Sterne für den Film plus einen halben dazu weil ich voreingenommen bin, macht eine perfekte 5 Sterne Bewertung.

Bewertung: 5 von 5.

(Noch ein cooler Fakt: Die deutsche Synchronstimme für Pete Davidson liefert Marcel Collé, der schon Jesse Pinkman in Breaking Bad seine Stimme gegeben hat. Ob Zufall oder Absicht, es passt gut.)

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