Mr. Robot

„We live in a Kingdom of Bullshit“
Mein Streaming Highlight 2021

Mr. Robot lief eigentlich schon von 2015 bis 2019. Erst hatte ich keinen Prime-Account und später hab ich den Vorschlag „Das könnte ihnen auch gefallen“ immer ignoriert. Ein kleiner Typ in einem schwarzen Hoodie an einem Computer – was soll da schon passieren? Doch dann war ewig Lockdown und in einem Video von So Many Tabs wurde Mr. Robot als realistische(re)s Beispiel für eine Hackerserie erwähnt (So funktioniert Hacking wirklich! (Serien vs. Realität)), was mich dazu gebracht hat, doch mal reinzuschauen.

Vorab: Nach einer (viel zu) langen schmerzhaften Phase, war das letzte Quartal von 2020 für mich noch mal richtig scheiße. Ich musste mir kurzfristig eine neue Wohnung suchen und hatte fast nichts aus der alten Wohnung mitnehmen können. Und nach wenigen Tagen in der leeren neuen Wohnung (Kein Bett, keine Küche) erreichte auch mich Covid-19 und damit die Quarantäne. Kurz darauf mussten alle Läden schließen und ich befand mich in 100% Kurzarbeit. Emotional und finanziell war ich echt fertig und in meinem Kopf war alles nur noch dumpf.

Als ich Mitte Januar 2021 dann also doch mal auf Mr. Robot geklickt habe, war das alles wie eine Therapie für mich. In den ersten fünf Minuten wusste ich, dass das die richtige Serie für mich ist.
Wieso? Um was geht es? Das ist ziemlich schwierig zu erklären ohne total zu spoilern, denn die Serie hat viele Wendungen und Überraschungen. Grob umrissen geht es um einen jungen IT-Spezialisten, der tagsüber für eine Firma arbeitet, die er hasst, und abends hackt er kriminelle Onlineseiten um die Eigentümer bei der Polizei zu melden. Elliot träumt davon die Welt zu retten, besser zu machen, die Menschen von Megakonzernen und Megabanken zu befreien. Er gerät an eine Hackergruppe, die sich FSociety nennt und das ganze nimmt seinen Lauf. Die Serie ist überraschend, spannend, aufregend, hat ein modernes Thema und man kann sich in die Figuren hineinversetzen… (und sie ist informativ – erst mal alle Passwörter geändert.)

Besonders mitgenommen hat mich aber auch, dass Elliot als Figur so tiefgründig ausgearbeitet ist und auch jede Menge Platz in der Serie bekommt. Er leidet an einer ausgeprägten Persönlichkeitsstörung und Wahnvorstellungen. Auch ich hab mich beim Zusehen mehrmals gewundert, ob Elliot wach ist oder fantasiert… Rami Malek hat hier eine fantastische Schauspielleistung abgeliefert. Ich konnte so gut mitfühlen und mitleiden. Und in der vierten Staffel hab ich mir dann gedacht: Wenn dieser Typ so viel Scheiße erlebt und immer noch vorwärts geht um seine Ziele zu verfolgen, dann schaff auch ich es über meinen ganzen Mist hinwegzukommen. Das klingt vielleicht dämlich, aber wenn man die Serie sieht, versteht man es.
Meine Lieblingsstaffeln sind Staffel Eins und Vier. In der ersten Folge hab ich mich verliebt (hier die passende Szene dazu: Elliot Hacks A Pedophile – Folge 01/01 „eps1.0_hellofriend.mov“) und in der Vierten wird es richtig gefährlich und emotional und mir gefällt total, dass Elliot noch mal 1,5 Folgen für sich alleine bekommt, nachdem die Handlung schon abgeschlossen ist.

Ich könnte stundenlang über Elliot und Mr. Robot philosophieren. Und egal, wie viel ich darüber spreche oder schreibe, ich hab immer das Gefühl, noch nicht genug erklärt zu haben, was die Serie so besonders macht… Die Serie ist nicht für jeden was, es gibt hier kein weißes Heldentum, kein Sexismus und keinen überzogenen Optimismus… dafür werden uns die Schwächen unserer Gesellschaft und die Verletzlichkeit des Einzelnen vorgeführt.

Besetzung:

  • Rami Malek – Elliot Alderson, „Just a tech.“
  • Christian Slater – Mr. Robot, FSociety
  • Carly Chaikin – Darlene, FSociety
  • Portia Doubleday – Angela Moss, Elliots Kindheitsfreundin
  • Gloria Reuben – Krista Gordon, Elliots Therapeutin
  • Michael Cristofer – Phillip Price, E Corp
  • Martin Wallström – Tyrell Wellick, E Corp
  • BD Wong – Whiterose, Dark Army
  • Grace Gummer – Dominique DiPierro, FBI
  • und viele mehr…

Drehbuch und Regie:

Sam Esmail ist der Kopf dieser genialen Serie, die von vornherein als abgeschlossene Geschichte geplant war. Er hat alles von der ersten bis zur letzten Folge durchdacht, was man auch sieht… Viele Dinge werden am Ende klar und beim zweiten Mal erlebt man die Serie noch mal ganz anders.

Zum Schluss: In einem YouTube-Kommentar schrieb jemand, er wünschte, er könnte seine Erinnerungen löschen um die Serie noch mal neu zu erleben. Das würde mir auch gefallen… aber die Serie traf mich eben auch zum richtigen Zeitpunkt in meinem Leben. Zwischen all dem Schwachsinn im TV ist Mr. Robot eine der besten Serien und das wahrscheinlich für eine ziemlich lange Zeit.

Bewertung: 5 von 5.

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