Anne Rice – Interview mit einem Vampir

Rückseitentext:
„Gerade erst fünfundzwanzig Jahre alt ist der schöne Louis, als er in New Orleans des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts zum Vampir wird – »gezeugt« von Lestat de Lioncourt, dem unbelehrbaren Rebellen unter den Kindern der Nacht. Lestat wird für Louis zum geliebten Lehrmeister, der ihn in die Welt der Dunkelheit einführt. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach anderen Untoten, nach Gefährten und Abenteuern in der dunklen Unsterblichkeit.“

Ach… armer Louis. So gerne hätte er mit Lestat nach Gleichgesinnten gesucht und von ihm gelernt, welche Kräfte ihm sein unsterblicher Körper verleiht. Aber Lestat dachte bei der Verwandlung von Louis nur an seinen eigenen finanziellen Vorteil. Hinzukommt das Louis sich davor scheut, Menschenblut zu trinken… und so sind die beiden in gegenseitiger Verachtung aneinandergekettet.
Damit Louis ihn nicht verlässt, erschafft Lestat ihm eines nachts eine Gefährtin, die von beiden nicht abhängiger sein könnte. Claudia ist noch ein Kind und wird von beiden wie eine Puppe behandelt. Über die Jahre entwickelt sich ihr Geist zu einer Erwachsenen und sie beginnt Lestat abgrundtief zu hassen.
Weil Claudia und Louis in New Orleans einfach keine anderen Vampire finden können, reisen sie gemeinsam in die alte Welt, Europa. Beide erleben vieles, was sie nicht verstehen, bis sie endlich in Paris ankommen… hier scheinen zumindest Louis‘ Träume wahr zu werden…
(Ich verstehe nicht, wieso Inhaltsangaben so oft vom tatsächlichen Inhalt abweichen, als hätte der Verfasser den Roman gar nicht gelesen?)

»Die betörendste Beschwörung des Bösen, die es je zu lesen gab!«

(Publishers Weekly)

Anne Rice ist die Königin der Vampirromane. Und das behaupte ich, obwohl ich nie etwas von anderen Autor/innen aus dem Genre gelesen habe… Anne Rice kümmert sich um ihre Vampirfamilie. Louis, Lestat, Claudia und alle anderen sind detailliert beschrieben und tragen eine tiefgründige Persönlichkeit. Keine weichlichen für-immer-siebzehnjährigen, die zum zehnten Mal die Highschool durchlaufen und Stalking und Kontrolle romantisieren, sondern erwachsene Charaktere für erwachsene Leser/innen.

20 Jahre ist es her, dass ich Interview mit einem Vampir als Teenagerin gelesen habe und war damals schon hin und weg. Einige Sätze sind seit damals in meinem Gedächtnis eingebrannt. Leider habe ich die damalige Filmausgabe nicht mehr im Regal meiner Eltern gefunden, aber ich bilde mir stark ein, dass der neue Stil viel frischer und für jüngere Leser/innen zugänglicher ist.

Beim wiederholten Lesen habe ich auch immer wieder überlegt, ob ich die Geschichte heute anders empfinde. Nicht wirklich, ist die Antwort darauf. Die Sympathien sind die gleichen. Louis und Armand (der später in Paris dazukommt) sind meine Lieblingsfiguren. Hier gibt es auch eine erotische Anziehung, die mir damals nicht bewusst geworden ist.

Letztendlich denke ich, dass ich Interview mit einem Vampir nicht nur mag, weil es um Vampire geht, sondern weil Anne Rice einfach diese wunderbaren Figuren erschaffen hat, die trotz ihre Brutalität auch nahbar sind und einen magisch in ihren Bann ziehen.

Bewertung: 4 von 5.

Details:
Erscheinungsdatum: 18. Oktober 2021 (Überarbeitete Neuauflage)
Verlag: Blanvalet
Seiten: 478
Originaltitel: Interview With The Vampire (1976)
Übersetzt von: Karl Berisch und C.P. Hofmann
ISBN: 9783734110672 

Anne Rice ist am 11. Dezember 2021 im alter von 80 Jahren gestorben. Sie wurde katholisch erzogen. Immer wieder geht es auch um Glaubsfragen in ihren Büchern. Doch mit der Kirche und einigen ihrer fanatischen Anhänger hatte sie so ihre Probleme. Sie ist ausgetreten, wieder eingetreten und wieder ausgetreten. Sie fühlte sich als Außenseiterin. „Ich bin raus!“, sagte sie 2010. Sie wollte nicht mehr zu einer Gruppe gehören, die Homosexuelle verfolgt und Frauen unterdrückt. „Im Namen Christi sage ich mich vom Christentum los.“, war einer ihrer Kommentare dazu. (Queer.de: Wegen Homohass: Anne Rice sagt sich vom Christum los)

Ihr Debütroman Interview mit einem Vampir war ein weltweiter Erfolg. Ebenso wie die sehr akkurate Verfilmung von 1994 mit Brad Pitt, Tom Cruise, Kirsten Dunst, Antonio Banderas und Christian Slater in den Hauptrollen. Auch der Film hat mir damals gut gefallen. Ich hatte ihn nach dem Lesen des Buchs erstmals gesehen. Heute finde ich allerdings, dass die männlichen Darsteller damals schon irgendwie zu alt aussahen um die unsterbliche Jugendlichkeit von Louis, Lestat und Armand zu transportieren.

Ich hätte zumindest nichts dagegen, wenn auch der Film eine Verjüngung bekommen würde. 😀

Unter dem Titel „Chroniken der Vampire“ schrieb Anne Rice noch 13 weitere Romane. Hier eine Liste: BücherTreff.de: Chronik der Vampire Bücher in der richtigen Reihenfolge

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