Ursula K. Le Guin – Grenzwelten

Zwei Kurzromane in einem Band

Rückseitentext:
„Ursula K. Le Guin visionäre Hainish-Romane, die davon erzählen, wie die Menschheit ferne Planeten besiedelt, haben die Landkarte der modernen Science Fiction neu entworfen. In „Das World für Welt ist Wald“ versklaven Kolonisten einen ganzen Planeten, um sich seiner Ressourcen zu bemächtigen – doch die Waldbewohner wissen sich zu wehren. „Die Überlieferung“ ist die erschütternde Geschichte einer Gesellschaft, die ihr kulturelles Erbe unterdrückt hat.“

Das Wort für Welt ist Wald

Dieses Buch hat mich wirklich überrascht. Nicht unbedingt wegen der Geschichte, sonder viel mehr hat mich der Schreibstil der Autorin in den Bann gezogen. „Das Wort für Welt ist Wald“ ist aus drei Perspektiven erzählt. Da ist ein furchtbar brutalen Mann, dessen eigenen Gedanken sich nur darum drehen, jeden auszulöschen, der ihm im Weg steht. Er ist ekelhaft und über die Maßen brutal. Man schämt sich fast, diese Worte und Taten zu lesen.
Dann ist da ein Waldbewohner (Selver), der für ihn und andere Kolonisten als Diener gearbeitet hat… hier ist alles ganz zart und poetisch geschrieben. Die Schilderungen der Einheimischen (Athscheaner heißen sie), ihre Lebensweise, ihre Kommunikation und ihr Lebensraum ist so harmonisch und darum unvereinbar mit der Lebensart der Menschen die von der Erde gekommen sind.
Der dritte Protagonist ist ein Forscher von der Erde. Er möchte die Athscheaner kennenlernen und verstehen und findet in Selver einen guten Freund. Doch es wird für ihn zunehmend schwieriger, die Athscheaner zu verteidigen, als diese Anfangen sich zu wehren. Hier ist der Schreibstil etwas „weinerlich“.
Für jeden der Drei erschafft die Autorin durch ihre Wortwahl die richtige Atmosphäre.
Wie in der Beschreibung schon steht, geht es um die Kolonialisierung und Ausbeutung eines gesamten Planeten und dessen Bewohner… es geht aber auch darum, was mit den Ureinwohnern passiert, die das erste Mal mit Gewalt und Mord konfrontiert werden.

Die Überlieferung

Die zweite Geschichte im Buch ist etwas… naja, ziemlich langatmig und ich muss gestehen, dass ich es nicht bis zum Ende geschafft habe. Trotzdem ein kleine Zusammenfassung: Die Literaturwissenschaftlerin Sati begibt sich auf eine ferne Welt um deren Kultur zu erforschen. Während ihre mehrjährigen Reise gab es auf dem Planeten aber einen kompletten Umsturz. Alle Literatur wurde vernichtet und alles ist auf Produzieren und Konsumieren gerichtet. Die Menschen dort haben einen vollgestopften Alltag und es bleibt kaum Zeit zur Kommunikation. Religion/Glaube, alte Überlieferungen wurden abgeschafft. Wissenschaft ist Alles. Sati ist es so kaum noch möglich ihrer Aufgabe nachzugehen. Doch dann wird sie in ein Dorf versetzt, dass weit weg von der Großstadt liegt… hier komm sie dem näher, was sie gesucht hat. Gefahrlos ist das ganze natürlich nicht.

Ursula K. Le Guin hat ein ganzes Universum verschiedener Planeten und Kulturen erschaffen aus denen diese zwei Romane stammen. Trotzdem kann man sie auch einzeln lesen und verstehen. Ihre feinen Beobachtungen über menschliches Handeln und zwischenmenschliche Kommunikation kann man nicht so schnell vergessen. Die Geschichten regen zum Nachdenken und Überdenken an. Sie sind ein Abbild unserer Vergangenheit und Gegenwart und eine Warnung für die Zukunft.
Die Autorin hat weiterhin eine wundervolle poetische und gebildete Rhetorik. Wirklich sehr intelligent. Deswegen gebe ich dem Buch trotz meines Abbruchs 4,5 Sterne. Ich würde noch mal ein Roman von ihr in die Hand nehmen.

Bewertung: 3.5 von 5.

Details:
Erscheinungsdatum: 26. Januar 2022
Verlag: Fischer Tor
Seiten: 400
Originaltitel: The Word for World ist Forest (1976), The Telling (2000)
Übersetzt von: Karen Hölle
ISBN: 978-3-596-70578-8
Coverdownload: fischerverlag.de

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