Brian W. Aldiss – Der lange Nachmittag der Erde

Rückseitentext:
„Die ferne Zukunft: Erde und Mond drehen sich nicht mehr und haben sich einander bis auf wenige Tausend Kilometer angenähert. Im immerwährenden Sonnenlicht der Tagseite unseres Planeten hat sich ein gewaltiger Dschungel ausgebreitet. Was auf der in ewige Dunkelheit getauchten Nachtseite ist, weiß niemand. Dies ist die Geschichte von Gren, der sich mit seiner Gefährtin aufmacht, um dieses Rätsel zu lösen, und sich dabei unzähligen Gefahren stellen muss…“

In dieser Äonen entfernten Zukunft hat sich die Menschheit in Gruppen aufgespalten und auf verschiedene Weisen weiterentwickelt und körperlich angepasst. Die Art, der Gren angehört, sind kleine grüne Menschen… wahrscheinlich nur so groß wie eine Hand. Die Gefahren von denen sie umgeben sind, sind hingegen kolossal. Pflanzen haben ein geringes Bewusstsein entwickelt, haben Gliedmaßen, Zähne und Flügel. Sie greifen von allen möglichen Richtungen an. Leben scheint hier eher ein Überleben zu sein.
(Spoiler:) Gren wird eines Tages von seiner Gruppe verstoßen und von einem Parasiten befallen, der seine Gedanken und, wenn es sein muss, auch seine Bewegungen übernimmt. Es ist eigentlich der Parasit, der Gren immer weiter treibt, immer mit der Absicht neue Wirte zu finden und sich über die Erde zu verbreiten… der Parasit macht Gren dafür intelligenter, aber auch unheimlich grausam. Immer stellt er klar, dass er der schlauste und stärkste ist und das alle ihm folgen müssen.

Dieses Buch zu beurteilen ist nicht einfach und unmöglich einzuordnen. Obwohl es der Science Fiction zugeschrieben wird, ist die Geschichte auch sehr fantastisch. Wenn ich an die Pflanzenlebewesen denke, wirk es eher unwahrscheinlich. Statt technischen Fortschritt oder einer Expansion in den Weltraum finden wir hier eine Rückentwicklung der Menschheit und die Übernahme der Natur. Der Grund dafür ist ganz einfach das Schicksal des Universums. Dinge entstehen und sterben und etwas neues entsteht daraus… und so geht es für immer weiter. Alles dazwischen ist Bonus.
Am Ende von Grens Reise ist er nicht nur schlauer und genügsamer, er befindet sich auch wieder dort, wo er angefangen hat, was auch für das Schließen dieses Kreislaufs steht.

Im Vorwort beschreibt Neil Gaiman Aldiss‘ Werk als „ein merkwürdiges, verstörendes und zutiefst exzentrisches Buch“ und das trifft es ziemlich genau. Für die Leserschaft bleibt seine Hauptfigur durchgängig unerreichbar, unnahbar und latent bedrohlich. Zwischendurch wird sogar seine Begleiterin Yattmur diejenige, durch deren Augen wir die Geschichte erleben. Aldiss scheut sich außerdem nicht davor seine Figuren in den Tod zu schicken um zu verdeutlichen in was für einer Welt sie leben. Dennoch ist es schwer, sich der Geschichte zu entziehen, denn es gibt so viel zu entdecken und sich vorzustellen. Es passiert ständig etwas.

Übersetzt hat den Text Frank Böhmert. Anders als in den Killerbot-Romanen hat mich hier seine Arbeit überzeugt. Es war bestimmt nicht immer einfach, diesen ganzen kreativen Dingen passende Bezeichnungen zu geben, es liest sich aber sehr gut und ich war in wenigen Tagen mit den über 400 Seiten fertig.

Bewertung: 3.5 von 5.

Details:
Erscheinungsdatum: 8. Februar 2021
Verlag: Heyne
Seiten: 432 (Mit einem Vorwort von Neil Gaiman und einem Nachwort von Brian W. Aldiss)
Originaltitel: The Long Afternoon Of Earth, die Originalausgabe von 1962 trug den Titel Hothouse
Übersetzt von: Frank Böhmert
ISBN: 978-3-453-32043-7
Coverdownload: penguinrandomhouse.de

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